24. Chortreffen „singendes, klingendes Banat“ in Pforzheim
Gedenken an Wiener und Banater StraussEin Bericht von Walter Schneider
Nachdem das Chortreffen vor einem Jahr im Pforzheimer CongressCentrum unter dem Zeichen des Abschieds vom traditionsreichen Schubertchor stand, erwiesen die Banater Chöre und Singgruppen beim diesjährigen Treffen unter dem Motto „ Singendes, klingendes Banat“ an gleicher Stelle am 26. Oktober ihre „Hommage an die blühende musikalische Kultur der Banater Schwaben“. Dabei wurde auch zweier Jubilare gedacht: Johann Strauss Sohn (1825-1899) und Emmerich Bartzer (1895- 1961), dem Strauss des Banats.
Veranstalter war die Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. Gefördert wurde das Chortreffen von der Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, Dr. Swantje Volkmann.
In dem von Dietmar Giel künstlerisch gestalteten Programmheft kommt der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, in seinem Grußwort zu der Überzeugung,
„die Tradition lebt fort!“ Die fast zweihundert begeisterten Besucher vor Ort und die vielen Aufrufe im Netz dank der Video-Berichte von Brunhilde Forro, Niki Dornstauder, Cornel Gruber- Simionescu und Hansi sprechen eindeutig dafür.
Vom freundlichen Empfang der Besucher im CongressCenter, dem bis ins kleinste Detail geplanten Ablauf der Chorauftritte, den choreographischen Einlagen, der souveränen Führung durch das Programm, bis hin zum großen Finale mit allen teilnehmenden Chören und dem zum Schluss gemeinsam mit dem dankbaren Publikum gesungenen „Flieg mit mir in die Heimat“ passte einfach alles und macht schon Lust auf ein nächstes Chortreffen.
Bereits ab 11 Uhr trafen die ersten Besucher und Chöre ein. Der freundliche Empfang und Begrüßung durch Peter-Dietmar Leber, Theresia Christine Neu, Harald Schlapansky, Niki und Yvonne Dornstauder und Karin Metzler mit Händeschütteln, „willkommen“, „servus“ oder „scheen , dich wieder zu gsien“, vermittelten beim Klang der verschiedenen, wohlvertrauten Banater Mundarten ein besonderes Heimatgefühl.
Da de Schwob von je her mit dem Glockenschlag 12 Uhr zu Mittag isst und die Sänger auch nicht mit leerem Magen auftreten konnten, gab es noch vor dem Einsingen ein gemeinsames Mittagessen, bei dem Chormitglieder und Besucher quer durcheinander saßen und es sich schmecken ließen.
Foto: Walter Schneider
Zur Eröffnung des Chortreffens bat Christine Neu alle Chormitglieder zum gemeinsamen Foto auf die Bühne.
In ihrer Begrüßungsansprache gedachte die Stellvertretende Bundesvorsitzende in ihrem sehr emotionalen Gedichtvortrag „Er war nie da“ der bis heute in die Nachfolgegeneration traumatisch hineinwirkenden Russlanddeportation („Es zieht sich wie ein stilles Erbe durch die Familien“) unserer Landsleute im Januar 1945. Die bewegenden Zeilen- „manchmal sang einer ein Lied von zuhause und alle hielten kurz den Atem an“- stehen für die Verbundenheit unsere Banater Schwaben zu ihrem Liedgut, sie ist auch eine rhetorisch gelungene Hinführung zur Chorveranstaltung.
Quelle: Video Brunhilde Forro
Chritsine Neu- bewegende Eröffnungsansprache
Abschließend wurde mit der Einspielung des Liedes „Tief in Russland bei Stalino“, vom Kleinen Karlsruher Chor aller Opfer der Russlanddeportation gedacht.
Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, begrüßte in seiner Ansprache die Anwesenden nun auch offiziell, lobte das Engagement aller Chormitglieder, dankte für ihren Einsatz zur Wahrung unserer banat-schwäbischen Chortradition und wünschte allen viel Vergnügen.
Durch das Programm führten abwechselnd und souverän die jungen Moderatoren der Tanzgruppe „Banater Schwabenkinder“ Rastatt: Kerstin Klein, Miriam Österreicher, Holger Giel und Dr. Christian Sponagel.
Eröffnet wurde der bunte Liederreigen von dem Darowaer Kirchenchor- Spaichingen unter Leitung von Erich Meixner mit dem Begrüßungschor aus der Operette „Grüßt mein Banat“ von Emmerich Bartzer (1895 Lowrin- 1961 Hatzfeld). Der Chor gestaltete seinen Auftritt als Hommage an den bekannten Banater Komponisten und Musiker ausschließlich mit dessen Kompositionen anlässlich dessen 130. Geburtstags.
Foto: Nikolaus Dornstauder
Emotionaler Höhepunkt war eine kurze Einführung in dessen Biographie durch seinen Enkel Adrian Nuca-Bartzer, dem ehemaligen Leiter des Schubert Chors. Von ihm stammen auch die Bearbeitungen der Kompositionen seines Großvaters für gemischten Chor der folgenden Lieder „Im Walde“, „Frühmorgens auf der Heid“ sowie „Mein Schatz“.
Mit „Gut, wieder hier zu sein!“ begrüßte der Sankt- Andreser Chor „ singAndres“ unter der Leitung von Heidrun Till das Publikum. Das von Hans Janzer verfasste und vorgetragene Gedicht „Unser Probenwochenende“ weihte die Zuhörer in die Entstehung und das Innenleben des Chors ein.
Der „singAndres“ Chor Foto: Nikolaus Dornstauder
Der folgende vierstimmige Kanon Quodlibet, eine musikalisch-scherzhafte Komposition, in diesem Fall eine Kombination von vier verschiedenen Melodien, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Angenehme Erinnerungen erweckte der gekonnt vorgetragene Kanon bei Teilnehmern eines Seminars in Bad-Kissingen, die dieses Lied im Sommer in einem Workshop dort, ebenfalls unter Heidrun Till, einstudiert hatten.
Zwei weitere Gedichtvorträge „Manchmol treem ich vun Andres“ , vorgetragen von Siegfried Till und „Noch hält die Gemeinschaft uns fest“, vorgetragen von Barbara Hehn ließen nachdenkliche Gesichter erkennen, die aber umgehend von dem bekannten Volkslied „Kein schöner Land“ wieder aufgehellt wurden. Mit der deutschen Version des in unsere heutige Zeit passenden Folksongs „Blowin in the Wind“ von Bob Dylon endete der Auftritt der sympathischen Andreser und der erste Teil des Chortreffens.
Pausengespräch am runden Tisch Foto: Brunhilde Forro
Foto: Niki Dornstauder
Durch Musik vereinte Banater Mundart-Sprecher
Der Chor der Banater Schwaben Karlsruhe unter der Leitung der Pianistin Sonja Salman eröffnete den zweiten Teil. Die kompetenten Moderatoren stellten kurz die Geschichte dieses Chors seit seiner Gründung im Jahre 1983 vor.
Foto: Walter Schneider
Mit ausschließlich Johann Strauss- Melodien widmete der Chor seinen Auftritt dem Komponisten, Kapellmeister und Walzerkönig Johann Strauss (Sohn), (1825 - 1899), dessen 200. Geburtstag, in diesem Jahr weltweit begangen wird.
In geraffter Zusammenfassung, garniert mit Zitaten von Andre Rieu zur Walzermusik von Johann Strauss, wurde das Leben und Werk des Komponisten präsentiert. Wenn Rieu sagt, „nach so einem Konzertabend müssen die Leute drei Wochen lang nicht zum Kardiologen“, so dürfte den anwesenden „Schwoweherze“ Ähnliches widerfahren sein.
Mit dem bekannten Potpouri aus der Operette „Die Fledermaus“ und „Wiener Walzerklänge“ versetzte der Karlsruher Chor das Publikum sofort in „Strauss-Stimmung“ und zog es in den Bann der ausgereiften Stimmen seiner Sänger, besonders mit den „Rosen aus dem Süden“ geschenkt von den beiden Sopranistinnen Irmgard Holzinger- Fröhr und Melitta Giel.
Karlsruher Kleiner Chor Foto: Nikolaus Dornstauder
Mit den bekannten Arien aus der Operette „Der Zigeunerbaron“, gesungen vom „Kleinen Chor“ von den Solisten Melitta Giel, Irmgard Holzinger- Fröhr, Isolde Reiz, Dietmar Giel und Bertwin Mumper, begleitet von der Pianistin Sonja Salman waren der musikalisch-künstlerische Höhepunkt erreicht.
Wie bei Strauss-Konzerten üblich, verabschiedete sich der Chor auch mit dem Walzer aller Walzer „An der schönen blauen Donau“. Dazu boten Miriam Österreicher und Holger Giel eine von Dagmar Österreicher choreographierte Tanzeinlage. Wie im Neujahrskonzert üblich, forderte das begeisterte Publikum mit anhaltendem Applaus als erwartete Zugabe, den Radetzy Marsch und quittierte dies mit rhythmischem Klatschen.
Mitreißend und dennoch zutiefst nachdenklich war die Darbietung der Singgruppe „Die lustigen Schwaben“- Leimen unter der Leitung von Anna Lang, die sich mit der Melodie „ Auf, auf zum lustigen Jagen“ quasi selbst vorstellte. Musikalisch wurde die Singgruppe am Akkordeon von Johann Sterbling begleitet.
Foto: Nikolaus Dornstauder
Die Gedichtvorträge von Susanna Bako „Erinnerungen an das Banat“ und „Doppelte Heimat“ vorgetragen von Katharina Hell, „Mein stiller Ort“ deklamiert von Elfriede Wehner ließen das Heimat-Dilemma in unseren Schwabenherzen aufkommen. Das gefühlvoll gesungene Lied „Mein Banater Land“ unterstrich dieses Gefühl ein weiteres Mal. Mit dem ergreifenden Vortrag von Anna Lang „ Oweds an de Brunne gehen“ von Hans Wolfram Hockl, fühlte sich so manchen Zuschauer in die alte Heimat versetzt. Mit „Eine(r) Handvoll Heimaterde“ verabschiedeten sich die lustigen Schwaben.
Das Chortreffen endete mit der Überreichung von Blumensträußen und dem „Großen Finale“, wozu alle Beteiligten zum gemeinsamen Abschlusslied „Fliege mit mir in die Heimat“ auf die Bühne gebeten wurden. Als plötzlich auch die Zuschauer mitsangen, wurde es ein stimmgewaltiger Abschluss mit Gänsehaut-Gefühl.
Herzlichen Dank den Sängerinnen und Sängern, dass sie die Tradition des Banater Chorgesangs weiterpflegen sowie allen Organisatoren und Helfern im Hintergrund!
Eure Lieder sind Seele und Stimme unserer Gemeinschaft!
Musikalischer Nachschlag Foto: Brunhilde Forro
Bildbearbeitung und Internetumsetzung, Erwin Kleitsch, 29. November 2025